Petra Pflanz

Beraterin für Arbeitszeugnisse

Zwischenzeugnis

Das Zwischenzeugnis

Das Zwischenzeugnis wird während eines Arbeitsverhältnisses nur auf Verlangen eines Mitarbeiters ausgestellt, es sei denn ein Tarifvertrag oder Sozialplan regeln etwas anderes. Es soll der Dokumentation wichtiger Ereignisse während eines Arbeitsverhältnisses dienen und kann sowohl als einfaches Zeugnis oder qualifiziertes Zeugnis erstellt werden. Eine Beendigung des Arbeitsverhältnisses darf nicht geplant sein. Es gibt so genannte triftige oder berechtigte Gründe wenn man ein Zwischenzeugnis haben möchte:

  • für Führungskräfte bei wesentlichen Veränderungen im Unternehmen bzw. der Unternehmensstruktur [z. Bsp. Betriebsübergang nach § 613 a BGB; Insolvenz oder Konkurs (BAG Urteil vom 21.01.1993 – 6 AZR 171/92)]
  • bei Fort- und Weiterbildungen (hier aber nur: wegen längerer Schulungen bzw. Studien bei namhaften Instituten, die mit einer staatlich anerkannten oder offiziellen Prüfung abschließen und die zur Position passen müssen)
  • geplante längere Arbeitsunterbrechungen wie z. Bsp. Elternzeit, Wehr oder Zivildienst, Freistellung als Arbeitnehmervertreter oder für ein politisches Mandat
  • zur Vorlage bei Dritten z. Bsp. Behörden, Gerichten …
  • beim Wechsel des Fachvorgesetzten (BAG, Urteil v. 01.10.1998 – 6 AZR 176/97), allerdings nicht, wenn dieser in kürzeren Abständen stattfindet
  • bei Versetzung in eine andere Abteilung, einen anderen Betriebsteil oder Entsendung ins Ausland (z. Bsp. als Expatriate)
  • bei Statusänderung: z. Bsp. Ernennung zum GF einer GmbH
  • bei geplanter persönlicher Veränderung: z. Bsp. Bewerbung um eine neue Stelle bei einem befristeten Arbeitsvertrag
  • wenn ein gewerblicher Facharbeiter in ein Angestelltenverhältnis übernommen wird

Der Wunsch nach einem Zwischenzeugnis muss begründet werden, andernfalls ist der Arbeitgeber nicht verpflichtet, ein Zwischenzeugnis auszustellen.

Kein Zwischenzeugnis muss ausgestellt werden:

  • wegen Kurzarbeit,
  • wegen der Veränderung der Arbeitszeit (von Voll- zur Teilzeit, auch Altersteilzeit),
  • am Ende der Probezeit, es sei denn, es ändern sich wesentliche Bedingungen bei der Übernahme in das feste Arbeitsverhältnis

Empfehlung: Damit der Arbeitgeber nicht misstrauisch wird, sollte genau abgewägt werden, ob ein Zwischenzeugnis unbedingt erforderlich ist. Dort, wo jährliche Mitarbeiterbeurteilungen fester Bestandteil der Unternehmenskultur sind und protokolliert werden, gibt es mit der betrieblichen Biografie keine Schwierigkeiten, weil diese Protokolle für eine Zeugniserstellung als Grundlage dienen.

Bei längerer Unterbrechung des Arbeitsverhältnisses (Elternzeit) kann es allerdings ratsam sein, sich ein Zwischenzeugnis ausstellen zulassen, und zwar für den Fall, dass es doch keine Rückkehr in den Betrieb gibt. In diesen Fällen könnte es sonst u. U. schwierig sein, ohne Zwischenzeugnis ein ordnungsgemäßes Schlusszeugnis zu erstellen.

Auch wenn ein langjähriger Vorgesetzter ausscheidet, mit dem man viele Jahre eng zusammengearbeitet hat, kann es für bestimmte Anspruchsberechtigte (Assistentinnen, Führungskräfte) empfehlenswert sein, sich ein Zwischenzeugnis ausstellen zu lassen, damit keine Beurteilungslücke für ein späteres Endzeugnis entsteht.